Umwelt und Nachhaltigkeit

Papier

Hintergrund

240 kg Papier pro Kopf und Jahr

Das Sammeln von Altpapier ist für die meisten Menschen ein selbstverständlicher Teil der Müllsortierung geworden. In vielen Städten und Gemeinden stehen jedem Haushalt große Tonnen dafür zur Verfügung. Sie machen deutlich um welche Mengen es sich dabei handelt.

Der Papierverbrauch in Deutschland hat sich seit 1950 verzwölffacht. Jeder Bundesbürger verwendet rund 240 Kilogramm Papier pro Jahr. Dies entspricht etwa der Papiermenge eines Harry Potter-Bandes pro Tag.

Papier wird aus (Ur)Wald gemacht

Das große Müllaufkommen ist eine problematische Folge des übermäßigen Papierkonsums. Andere, weitreichende Probleme entstehen durch den enormen Verbrauch von Rohstoffen.

Zur Herstellung von Papier aus Frischfasern werden riesige Mengen an Zellstoff benötigt, der aus Holz gewonnen wird. Die Bäume hierfür kommen zum großen Teil aus ökologisch besonders wichtigen Urwaldgebieten des Nordens und Südens. Menschen, Pflanzen und Tiere werden aus ihren Lebensräumen verdrängt.

Es verschwinden jährlich 12 15 Mio Hektar Wald. Das ist die 3-fache Fläche der Schweiz oder alle 2 Sekunden ein Fußballfeld.

An Orten, wo früher Urwälder waren entstehen riesige "Papierplantagen", Monokulturen aus schnell wachsenden Eukalyptus-, Kiefern- oder Akazienhölzern.

Die Alternative: Recyclingpapiere

Papier muss nicht aus Frischfasern hergestellt werden. Recyclingpapiere bestehen aus bis zu hundert Prozent Altpapier und werden wesentlich umweltfreundlicher produziert. Zu ihrer Herstellung wird weniger Wasser, Energie und Chemieeinsatz benötigt als bei der Herstellung von Papier aus Frischfasern.

Recyclingpapiere sind viel besser als ihr Ruf; diese modernen Papiere haben nichts mehr gemein mit den grauen Seiten aus der Anfangszeit. Das Umweltbundesamt hat nachgewiesen, dass sie problemlos in Druckern, Kopierern oder im Hygienebereich eingesetzt werden können. Auch optisch sind sie, je nach Weißegrad, nicht von Papier aus Frischfasern zu unterscheiden. Was hindert uns also noch, diese umweltgerechteren Papiere zu verwenden?

Rat und Tat

Verringern Sie Ihren Papierverbrauch!

Papier hat zwei Seiten, verwenden Sie einseitig bedrucktes Papier weiter.

Drucken und kopieren Sie doppelseitig, in vielen Büros ist nicht bekannt, wie doppelseitig zu kopieren ist, machen Sie sich kundig und geben Sie ihr Wissen an die Kollegen weiter.

Wählen Sie beim Einkaufen wenig oder unverpackte Ware, verwenden Sie Stoffbeutel und andere mehrfach nutzbare Behältnisse.

Überlegen Sie, ob Sie sich Zeitungs- und Zeitschriftenabonnements mit anderen teilen können.

Feiern Sie Feste, aber ohne Müllberge; Pappteller; Pappbecher Papiertischdecken usw. sind nicht besonders schön, sie belasten vor allem die Umwelt.

Recyclingpapier ist sinnvoll, es verringert den Holzverbrauch, spart Energie und Wasser, reduziert die Abwasserbelastung und die Müllberge.

Viele Papierprodukte schmücken sich allerdings mit Pseudo-Umweltzeichen und Siegeln. Achten Sie auf den "Blauen Umweltengel" Dieses offizielle Umweltzeichen garantiert, dass es sich um Papier aus 100% Altpapier handelt. 
www.blauer-engel.de/papier

Fragen Sie in Geschäften nach Recyclingpapier-Produkten, machen Sie deutlich, dass Sie sich ein entsprechendes Angebot wünschen.

Oberste Priorität sollte das Papiersparen bekommen. Gerade in Verwaltungen und Betrieben sind dazu noch sehr viele Verbesserungen möglich.

Auch der Einsatz von Papier in Recyclingqualität ist in diesen Bereichen noch nicht überall etabliert. Hier sind die Beschaffer gefragt, durch konsequente Ausschreibung für umweltfreundliche Papierprodukte zu stärkerer Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung beizutragen.

Zur Unterstützung und Information der entsprechenden Verantwortlichen gibt es die Internetseite:
www.beschaffung-info.de

Aufdrucke wie "Briefumschlag aus 100% Altpapier erspart Energie, Rohstoffe und Abfall", "Recyclingpapier der Umwelt zuliebe" Wir denken mit! Unser Prospekt wird auf Recyclingpapier gedruckt", sind ein gutes Vorbild.

Informieren Sie Freunde und Bekannte über die Zusammenhänge zwischen Papierverbrauch und Waldzerstörung.

Bevorzugen Sie Stoffservietten und -taschentücher. Nutzen Sie in der Küche häufiger Stofftücher statt, "wisch und weg". Zum Kaffee- oder Teekochen lassen sich gut handhabbare Dauerfilter verwenden.

Studien des Umweltbundesamtes weisen eindeutig nach, dass heutiges Recycling-Toilettenpapier hygienisch einwandfrei ist; und auch beim Thema Weichheit stehen die Recyclingtoilettenpapiere den anderen in nichts mehr nach.

Sammeln Sie Altpapier, sauber und richtig

Immer noch bestehen Schulhefte und Mappen nur zu einem geringen Teil aus 100% Recycling­papier. Dabei schneidet dieses Papier - ausgezeichnet mit dem blauen Umweltengel -  mit Abstand am besten ab, wenn es um Umwelt-, Klima- und Ressourcen­schutz geht. Es müssen keine Bäume gefällt werden, denn es besteht zu 100% aus Altpapier und bei der Herstellung werden rund 60% weniger Energie und 70% Wasser verbraucht als bei der Herstellung von Frischfaserpapier.

"Bei 200 Millionen verkaufter Schulhefte pro Jahr ist der Umstieg auf den Blauen Engel ein wichtiger Schritt im Klima- und Ressourcenschutz“, sagt Dr. Benjamin Bongardt, Mitglied der Jury Umweltzeichen und im NABU-Bundesverband zuständig für Ressourcenpolitik. „Wir alle sind Weltmeister beim Altpapiersammeln, aber Anfänger beim Kauf von Produkten aus Recyclingpapier“, sagte Bongardt bei einer Aktion der Kampagne „Schulstart mit dem Blauen Engel“ in Hofheim/Frankfurt a.M.. Dort präsentierten Schüler der Montessori Schule Hofheim die Ergebnisse eines Recyclingpapier-Marktchecks, den sie in Geschäften ihrer Stadt durchgeführt hatten. Ihr Fazit: „Die Unterschiede vor allem in den Filialen großer Handelsketten sind krass. Während ein bedeutendes Handelsunternehmen in meterlangen Regalen so gut wie kein Recyclingpapier anbietet, besteht bei anderen fast das gesamte Schreibwarensortiment aus Papierprodukten mit dem Blauen Engel."

Quelle und weitere Informationen - z.B. den Papier-Finder - gibt es unter:
www.blauer-engel.de/schulstart mit dem blauen engel

Heftekauf nur mit dem Engel drauf‘!

Bringen Sie an Ihrem Briefkasten einen Aufdruck "Bitte keine Werbung einwerfen" an. Damit sparen Sie sich und der Umwelt die vielen (wöchentlichen ) Postwurfblätter (die dort aufgeführten Angebote von Supermärkten usw. finden Sie ohnehin großseitig auch in der Tageszeitung).

Ungewollt per Post zugestellte Werbesendungen werfen Sie gleich wieder in den nächsten Briefkasten; mit  "Annahme verweigert, zurück an Absender" beschriften.

Fragen Sie bei Ihrer Tageszeitung nach, ob sie auch ein Abonnement ohne Beilagen anbietet.

Lassen Sie sich in die so genannte "Robinson-Liste" eintragen.

Alle Firmen, die dem Deutschen Direkt-Marketing-Verband angeschlossen sind, werden Ihre Adresse dann nicht mehr für Werbezwecke nutzen.

Kontakt: Deutscher-Direkt-Marketing-Verband, Robinson-Liste, Postfach 1401, 71243 Ditzingen, 
www.direktmarketing-info.de

Aus Ostwestfalen-Lippe

"Die "Gütersloher Gesichter" sollen Recyclingpapier wieder attraktiv machen. In 2009 hatte der Fachbereich Umweltschutz der Stadt Gütersloh die erste Auflage veröffentlicht. Und nun sind alle Beteiligten stolz, die zweite präsentieren zu können.

Wieder waren es acht weiterführende Schulen, die an der Erstellung von  zwei Kollegblöcken und zwei Schulheften aus Recyclingpapier mitgewirkt haben. Aufgabe der SchülerInnen war es dabei, die Umschlagseiten dieser Printmedien zu gestalten. Typisches für Gütersloh sollten sie zu Papier zu bringen - die "Gütersloher Gesichter". Im Vorfeld waren alle beteiligten Klassen von der städtischen Abfallberaterin Marion Grages im Rahmen einer Unterrichtsstunde "Kunst" über die umweltrelevanten Hintergründe für dieses spezielle Schulheft informiert worden. Eine Jury schließlich hatte unter den fast 400 Einsendungen 112 ausgewählt, die nun die Hefte und Blöcke zieren."

Quelle und weitere Informationen:
www.guetersloh/umweltschutz.de

Die Stadt Löhne wurde mit dem ersten Platz beim Zukunftspreis Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Dreißig größere und kleinere Kommunen konkurrierten mit ihren kreativen Ideen im Wettbewerb, der von der "Initiative Pro Recyclingpapier" und dem BehördenSpiegel veranstaltet wurde und von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert wurde. Unter dem Motto "Eine Stadt stellt um auf Recyclingpapier - Bausteine für eine politische Leitkultur" hat Löhne Wege und Möglichkeiten gezeigt, wie eine Erhöhung der Akzeptanz von Recyclingpapier und eine Steigerung des Bewusstseins im Umgang mit Ressourcen erreicht werden kann. Nicht nur die Stadtverwaltung stellte über 90% ihres Verbrauchs auf Recyclingpapier um, auch folgten viele Schulen, Kindergärten und der städtische Einzelhandel dem positiven Beispiel. Gleichzeitig hat Löhne ein überregionales Netzwerk aufgebaut, um die Weiterentwicklung des eigenen Projekts in anderen Städten zu fördern.

Bildnachweis
Grafik Papierverbrauch Collegeblock: C. Trischler

 

Weiterführende Infos

ARA - Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz e.V.

August-Bebel-Str. 16-18
33602 Bielefeld
Tel. 0521/ 6 59 43
Fax 0521/ 6 49 75
E-Mail ara(at)araonline
Web www.araonline.de

Initiative 2000plus NRW

c/o urgewald e.V., Agnes Dieckmann
Von-Galen-Straße 4
48336 Sassenberg
Tel. 02583/9189931
E-Mail agnes(at)urgewald.de

Umweltberatungsstellen

Eine Liste mit bekannten Umweltberatungstellen finden Sie auf nachstehendem Link.
Umweltberatungsstellen

Papier hat viele Seiten - Dokumentation einer Projektwoche und Arbeitsmaterialien für den Unterricht

Das Thema Papier ist besonders für einen Einstieg in das Thema Nachhaltigkeit geeignet. Zum einen, weil es sich bei Papier um einen Wertstoff handelt, der in Schule, Büro und im Privaten alltäglich genutzt wird und weil es uns sehr konkrete Handlungssmöglichkeiten bietet: Papier sparen und Recyclingpapier verwenden kann schließlich jeder!

Zu bestellen unter www.papierwende.de

Weitere Angebote und Materialien zum Thema für den Unterricht

Ansprechpartner für Unterrichtsmaterialien zum Thema Papier ist die Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz, ARA. Sie führt spezielle Papier-Aktionstage, die Kinder zu Papierexperten macht, durch. Über ARA ist zudem ein Papier-Koffer, mit einer Vielzahl an Materialien ausleihbar.

Kontakt:

  • Umweltbundesamt (2015). FAQs Recyclingpapier. Antworten auf häufig gestellte Fragen. Als kostenloser Download unter: 
    www.umweltbundesamt.de/faqs-recyclingpapier
  • Initiative Pro Recyclingpapier (2015). Recyclingpapier-Report 2015. Als Download unter:
    papiernetz.de/IPR-Report2014.pdf
  • Forum Ökologie & Papier (2012). Papier. Wald und Klima schützen. Kostenlos zu bestelllen und als Download unter:
    www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien
  • Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e.V. (2010). Recycling stoppt Treibhausgase - Der Beitrag der Kreislauf- und Wasserwirtschaft zum Klimaschutz
  • Initiative Pro Recyclingpapier (2006). Geld sparen und umweltbewußt handeln mit Recyclingpapier. Leitfaden für das städtische Beschaffungswesen. Als kostenloser Download unter:
    http://www.papiernetz.de/docs/ipr_leitfaden2web.pdf>www.papiernetz.de/leitfaden
  • urgewald e. V. (Hrsg.) (2005). Papier macht niemand satt. Sassenberg: urgewald e.V..
  • Initiative 2000plus (Hrsg.) (2005). Kritischer Papierbericht 2005. Essen: Initiative 2000plus.
  • Über ARA (Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz) sind Rezensionsexemplare kostenlos erhältlich

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